Express | Köln
Von Philipp J. Meckert 09.02.17,
Florian und Michael Kunz investieren mehr als 400 Millionen Euro.
Der eine ist Hockey-Weltmeister, der andere Investment-Spezialist. Beide sind Kölner und jonglieren mit Millionen. Michael (47) und Florian Kunz (44) haben jetzt mit Hamburger Partnern einen bundesweit beachteten Mega-Deal gelandet. Sie kauften fast das komplette Friesenviertel inklusive Gerling-Quartier. Zudem wollen sie den Hohenzollernring mit einem Luxus-Hotel veredeln.
Es klang atemberaubend, dass Kölner große Teile des noch Bau befindlichen Luxus-Areals „Gerling-Quartier“ kaufen. Sündhaft teure Büro- und Geschäftsflächen rund um die piekfeine „Piazza Navona“, der Hufeisenbau mit denkmalgeschütztem Jahrhundertsaal, daneben der berühmte Gerling-Rundbau für das 25 Hours-Hotel mit 210 Zimmern.
Nicht genug: Die Chefs der „Proximus Real Estate“ kauften auch noch sechs Objekte rund um Friesenstraße und Klapperhof, inklusive Tiefgarage mit 450 Stellplätzen und diversen Miets- und Bürohäusern. Darunter das berühmte „Clusterhaus“, eine Hochburg der deutschen Startup-Szene.

Warum schnappen sich die Brüder Kölns Filet-Stücke?
„Das Potenzial, das die Innenstadt rund um den Friesenplatz hat, ist total unterbewertet“, sagt Michael Kunz (47) zum EXPRESS. „Viele Objekte sind verbaut, marode, uralter Bestand, hässlich. Da ist die Zeit stehen geblieben. Wir wollen die Grundstücke attraktiver gestalten, den Friesenplatz zum Anziehungspunkt machen, die Ausstrahlungskraft erhöhen. Im Quartier steckt viel mehr drin. Hier braucht es Ästhetik und Architektur.“
Das Friesenviertel als Top-Standort – besonders neue Büroflächen sollen Unternehmen in die Innenstadt locken: „Die Mitarbeiterzufriedenheit ist ein hohes Gut“, meint Kunz. „In der City zu arbeiten, ohne dass man ein Auto braucht, ist doch klasse. Warum müssen alle Firmen zum Stadtrand ziehen?“ Auch die Stadt sieht einiges brach liegen und beklagt einen Modernisierungs-Stau in der City. Aus Alt mach Neu – direkt am Friesenplatz werden derzeit zwei neue Häuser gebaut.
Aber auch hier setzen Kunz und Kunz noch eins drauf: Im Innenhof hinter dem „Capitol“-Bürohaus am Hohenzollernring werden bald diverse Flachbauten, etwa der ehemalige Kinosaal, abgerissen. „Wir planen ein Vier-Sterne-Design-Hotel mit 200 Zimmern.“

„Schluss mit dem Modernisierungsstau“
Die Stadt sieht durch den Eigentümerwechsel neue, positive Ansätze: „Einerseits ist die Kölner City eine Innenstadt für das Wohnen, gleichwohl bemerken wir inzwischen auch einen echten Flächenengpass für moderne Arbeitsplätze in hochzentralen Lagen“, betont Höing gegenüber EXPRESS.
Besonders ein lebendiges Gerling-Quartier könnte in das gesamte Friesenviertel ausstrahlen und „zu einer Aufwertung der angrenzenden Lagen führen“.
Es sei ein wichtiges Anliegen, „dass die Innenstadt weiter vitalisiert wird, dass der Modernisierungs-Stau, der sich hier und da zeigt, aufgelöst wird. Wir laden die Immobilieneigentümer ein, gemeinsam mit uns darüber nachzudenken, wie diese Lagen weiter aufgewertet werden können.“

Neues Hochhaus für Büros, neuer Rundbau mit Wohnungen
Auch an der Kreuzung Friesenplatz wird kräftig geklotzt: Am Hohenzollernring 62 baut die „Immofinanz“ das Eckhaus zum zehngeschossigen Büro-Hochhaus um.
Auf satten 8.500 Quadratmetern Bürofläche sollen die künftigen Firmen einen spektakulären Blick über die City haben. Zudem wird am Ring eine neue Tiefgarage gebaut: „Für die Nutzer stehen 86 Pkw-Stellplätze zur Verfügung“, so eine Immofinanz-Sprecherin.

Bau nach dem „MyHive“Konzept
Der Büro-Tower wird nach dem firmeneigenen „MyHive“-Konzept gebaut, das sich durch eine gemütliche
Arbeitsatmosphäre auszeichnet.
Große Lobby mit Café, gemeinsamer Concierge, buntes Interieur und Hintergrundmusik. Zudem soll im Erdgeschoss ein Lokal mit Außengastronomie zum Friesenwall hin eröffnen.
Direkt vis-à-vis zum „MyHive“ baut die Allianz für rund 50 Millionen Euro das „Haus Friesenplatz“. Sechs luftige Luxus-Etagen für Büros, Läden und Wohnungen auf 15.500 Quadratmetern werden in einem Rundbau Ecke Venloer Straße hochgezogen. Darunter entsteht eine Tiefgarage mit 111 Plätzen.
Die Abrissbagger sind im Großeinsatz. Ab 2020 wird der Neubau auch das Modegeschäft „Weingarten“ auf mehr als 2000 Quadratmetern beherbergen.

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